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Engelberg, Stiftsbibliothek, Cod. 1009

Manuscript preview
Collection:
Swiss Medieval Manuscripts
Repository:
Stiftsbibliothek
Settlement:
Engelberg
Manuscript Identifier:
Cod. 1009
Manuscript Title:
Orosius (ca. 380/90 - nach 418) Historiarum adversum paganos libri VII
Origin Date:
vor 1178 (unter Abt Frowin)
Material:
parch
Dimensions:
31.5 x 21.5 cm
Provenance:
Der Codex 1009 (= En) ist im Bestandeskatalog von Engelberg aus dem Jahre 1891 (Gottwald) nicht erwähnt. Man wusste zwar aus den Katalogen des 17. und 18. Jahrhunderts von der Existenz einer Orosiushandschrift in Engelberg, glaubte aber, sie wäre verloren (vgl. Steinmann 1993, p. 13). Bis zu ihrer unerwarteten Wiederentdeckung bei Bauarbeiten am 9. Februar 1963 in einem Zwischenboden über den Gewölben des alten Kapitelsaals in zufälliger Gemeinschaft mit acht anderen Handschriften war nichts über ihren Charakter geschweige denn über die Glossen, die sie enthält, bekannt. Der damalige Bibliothekar, Wolfgang Hafner, schreibt in der Ausgabe der Zeitschrift Librarium noch im gleichen Jahr voller Begeisterung über den Orosiuscodex: "Einen besonderen Reiz bildet die durchgehende Kommentierung des Textes. Ist das eine Originalleistung Engelbergs oder stammt sie aus der Vorlage? Die kritische Ausgabe im Wiener Corpus [Pauli Orosii Historiarum adversum paganos libri VII. Accedit eiusdem Liber apologeticus, hg. von Carl Zangemeister, Wien 1882 (CSEL 5), Anm. HE] gibt darüber keinen Aufschluss. Und wer durfte in einem solch prachtvollen Band seine Bemerkungen einfügen, wenn nicht ein bedeutender Meister? Ob man gar den gelehrten Abt Frowin dafür namhaft machen darf? Das sind Fragen, die noch zu klären sind." (Hafner 1963, p. 117) Die Handschrift umfasst 149 Pergamentblätter inklusive je zwei leere Blätter aus Papier vorne (A, B) und hinten (Y, Z). Auf f. Bv trägt sie den Besitzeintrag Bibliotheca Angelo-Montanae von der Hand des Paters Karl Stadler (18. Jh.). Auf f. 1r steht am oberen Rand ein für die Engelberger Handschriften der Frowin-Zeit charakteristischer Besitzeintrag (vgl. Steinmann 1993, p. 10-16) mit den Worten Contulit ista pie Frovvinus scripta Marie. Tu regina poli data munera spernere noli – "Dieses Buch hat Frowin der barmherzigen Maria zukommen lassen. Mögest Du, Königin des Himmels, die Dir dargebotenen Geschenke nicht verschmähen". Der Engelberger Orosius ist zur Zeit Frowins (1143-1178) im Kloster entstanden, abgeschrieben wohl im hauseigenen Scriptorium, mit hoher Wahrscheinlichkeit aber nicht von der Hand, die in 26 von 34 Codices, in denen solche Besitzeinträge fassbar sind, in Erscheinung tritt (vgl. Steinmann 1993, p. 11f. und Abb. 1-8). Es handelt sich um einen stattlichen Band mit den Maßen 31,5 x 21,5 cm und einem Textfeld von 22,5 x 14 cm à 30 Zeilen pro Seite, der bewusst als Abschrift "aus einem Guss" und somit als Abschrift mit Glossen angelegt worden war. Als mit hoher Wahrscheinlichkeit direkte Vorlage konnte der Cod. Sang. 621 identifiziert werden (vgl. Eisenhut 2006). Der Engelberger Orosius hat wenigstens einer weiteren Handschrift, dem Cod. Min. 60 der Ministerialbibliothek, heute Stadtbibliothek, Schaffhausen als Vorlage gedient (vgl. Gamper/Knoch/Stähli 1994). Auf der gleichen Seite wie der alte Besitzeintrag, also auf f. 1r, finden sich die Ausführungen über die praesidia und legiones romanorum, die im Cod. Sang. 621 auf p. 355 stehen. Auf f. 1v steht der "Lexikonartikel" von Gennadius von Marseille zur Person des Orosius auf zwei Spalten verteilt und auf f. 2ra-3rb ist die Computatio anni CCCCLII übernommen, die im Cod. Sang. 621 nur noch lückenhaft überliefert ist (Verlust eines Blattes). Mit den rubrizierten Worten Incipiunt capitulationes ex corpore libri huius Orosii presbiteri in Capitalis sind auf der unteren Hälfte von f. 3rb die Capitula eingeleitet. Die Praefatio libri primi ihrerseits ist auf f. 15v angekündigt und beginnt mit f. 16r, einspaltig, woran sich bis f. 149v nichts mehr ändert. Unter den Initialen sind die beiden bei Hafner abgedruckten, die E Initiale auf f. 17v (Einleitung von Oros. 1,1,1) und die S Initiale, eine Dracheninitiale, auf f. 74v (Einleitung von Oros. 5,1,1), besonders hervorzuheben. Eine einzige Illustration ziert den Rand von En: Es handelt sich um das mkumeneschema (T Karte) zu Oros. 1,2,1 (f. 18v), das sich im Cod. Sang. 621 auf p. 35b befindet. Ende 17. Jahrhundert wurde die Handschrift neu eingebunden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde eine Lage vertauscht: f. 48v endet mit Oros. 3,12,26, f. 49r beginnt mit Oros. 3,23,51. Die richtige Reihenfolge lautet: f. 48v, f. 57r-64v, f. 49r-56v, f. 65r. Im Unterschied zu Cod. Sang. 621 sind die Additamenta ex Eusebii historia ecclesiastica auch in En nach Oros. 7,2,16 lückenlos in den Grundtext eingefügt und finden sich auf den f. 116v-121v. En enthält ferner einen Teil der Subskription, die sich im Cod. Sang. 621 auf p. 351b befindet. Der Engelberger Orosius endet auf f. 149v mit den Worten: Utilis multum liber: difficilis tamen. quia plus commemorando . quam énarrando quae facta sunt describuntur: Quod quidem et ipse auctor se non sine iusta causa fatetur fecisse; Allein dieser Passus zeigt sehr deutlich die wohlüberlegte Abschrift vom St. Galler Original: Dort heißt es gleich zu Beginn: Vtilis multum liber . sed uitio scriptoris mendosus . difficilis tamen. Das vitium des Schreibers war durch die sorgfältige Korrekturtätigkeit Ekkeharts IV. im Auftrag von Notker eliminiert worden (vgl. Cod. Sang. 621). Der Abschreiber hatte somit ein korrektes Exemplar vor sich liegen, und er nutzte die Korrekturen, die er allesamt sorgfältig in seine Abschrift einbaute.
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